Innenraum mit freigelegten Wandflächen während der Sanierung

Der häufigste Fehler beim Thema Schimmel ist auch der naheliegendste: einfach überstreichen. Ein paar Wochen sieht es gut aus, dann kommt der Fleck zurück – meist größer als vorher. Denn Schimmel ist nie das Problem selbst, sondern der Hinweis darauf, dass an dieser Stelle zu viel Feuchtigkeit ankommt.

Erst die Ursache, dann die Wand

Bevor irgendetwas gestrichen wird, muss geklärt sein, woher die Feuchtigkeit kommt. In der Praxis stoße ich fast immer auf eine von drei Ursachen: eine Wärmebrücke im Bauteil, ein Lüftungsverhalten, das nicht zum Gebäude passt, oder einen konkreten Wasserschaden.

Typisch für Lübecker Altbauten sind kalte Außenecken hinter Schränken. Die Wandoberfläche ist dort mehrere Grad kälter als die Raumluft. Sinkt sie unter den Taupunkt, schlägt sich Feuchtigkeit als Kondensat nieder – und genau dort siedelt sich der Schimmel an.

Ein Rechenbeispiel: Bei 20 °C Raumtemperatur und 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt bei rund 12 °C. Jede Wandfläche, die kälter ist, wird feucht. Schimmel in der kalten Ecke ist deshalb kein Hygieneproblem, sondern Bauphysik.

Was Sie selbst prüfen und verbessern können

Rücken Sie große Möbel fünf bis zehn Zentimeter von Außenwänden ab, damit warme Luft an der Wand entlangziehen kann. Das allein hebt die Oberflächentemperatur oft um mehrere Grad.

Lüften Sie stoßweise mit weit geöffnetem Fenster statt dauerhaft auf Kipp. Im Winter reichen fünf Minuten, im Sommer braucht es zwanzig bis dreißig. Ein gekipptes Fenster tauscht kaum Luft aus, kühlt aber die Laibung dauerhaft aus – dort entsteht dann der nächste Schaden.

Ein einfaches Hygrometer für wenige Euro hilft enorm. Liegt die relative Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 60 Prozent, ist das der Punkt, an dem Sie ansetzen sollten.

Wann Sie einen Fachbetrieb hinzuziehen sollten

Kleine Flecken bis etwa eine halbe Handfläche können Sie unter Beachtung der Schutzhinweise selbst behandeln. In diesen Fällen rate ich klar zum Fachbetrieb:

  • Die befallene Fläche ist größer als etwa ein halber Quadratmeter

  • Der Schimmel kommt nach der Behandlung wieder

  • Er sitzt nicht nur oberflächlich, sondern im Putz oder hinter der Tapete

  • Im Haushalt leben Kinder, ältere oder immungeschwächte Personen

  • Die Ursache lässt sich nicht eindeutig benennen

Wie eine fachgerechte Sanierung abläuft

Zuerst wird die Ursache festgestellt und abgestellt. Danach entferne ich den befallenen Aufbau unter Staubschutz – bei größeren Flächen mit Abschottung, damit die Sporen nicht in die übrige Wohnung getragen werden.

Anschließend wird der Untergrund behandelt und mit geeigneten Materialien neu aufgebaut. Bewährt haben sich diffusionsoffene, mineralische Systeme: Kalk- und Silikatputze nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab, und ihr hoher pH-Wert erschwert einen erneuten Befall deutlich.

Bei baulichen Ursachen arbeite ich mit einem Sachverständigen oder dem entsprechenden Gewerk zusammen. Denn eine schöne Wand über einem ungelösten Bauproblem hält nicht – und das möchte ich Ihnen ersparen.